Glaube heute

Das Glaubensbekenntnis erklärt

Die christlichen Kirchen haben im Laufe ihrer Geschichte viele Bekenntnisse formuliert. Das Glaubensbekenntnis, das (fast immer) in evangelischen und katholischen Gottesdiensten gemeinsam gesprochen wird, ist das 'Apostolische Glaubensbekenntnis'. Es geht zurück auf ein Bekenntnis aus dem 4. Jahrhundert und hat seine endgültige Form zu Beginn des 8. Jahrhunderts erhalten.

Es wird vor allem in der römisch-katholischen und den evangelischen Kirchen häufig im Gottesdienst und Unterricht verwendet. In den orthodoxen Kirchen (in Griechenland oder Russland) hat es sich nicht durchgesetzt. (Dort gilt das umfangreichere 'Nizänische Glaubensbekenntnis'. Evangelisches Gesangbuch S.48+49)

Viele Ausdrücke und Beschreibungen, die auf einem für uns altertümlichen Weltbild beruhen, müssen für heutige Menschen erklärt werden, damit sie verständlich sind; die Grundlagen christlichen Glaubens, die hier zum Ausdruck kommen, sind aber für viele Christen nach wie vor gültig.


Das Apostolische Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.
Ich glaube an Gott ...
'Glauben heißt nicht Wissen'. Das ist insofern richtig, weil ich nicht beweisen kann, dass es Gott gibt, so wie ich beweisen kann, dass es die Schwerkraft gibt oder ein Planetensystem. Ich kann nur darauf vertrauen, dass hinter der sichtbaren Welt eine unsichtbare Macht existiert, die die Welt und mein Leben beeinflussen kann. Wichtig ist, dass Gott in christlichem Verständnis persönlich vorgestellt wird. In vielen verschiedenen Bildern wird das anschaulich gemacht. Der eine stellt sich aufgrund seiner Erfahrungen Gott wie eine Sonne vor, die sein Leben immer wieder hell und freundlich macht. Der andere stellt sich Gott mehr als Herrscher vor, der in seinem Leben bestimmt, was zu tun ist. Dabei ist zu bedenken, dass kein Bild das ganze Wesen Gottes beschreiben kann und immer von persönlichen Erfahrungen bestimmt ist. Deshalb ist festzuhalten: Gott ist durch unser Reden und unsere Vorstellungen nie ganz zu erfassen.
... den Vater ...
Vater ist auch ein Bild für Gott. Gemeint ist ein Vater, der fürsorglich ist und liebevoll mit seinen Kindern umgeht. Jesus hat Gott als Vater angeredet. Für ihn war das ein Zeichen der Nähe und des Vertrautseins. Nicht jeder kann diese Anrede übernehmen. Besonders Menschen nicht, die mit ihrem leiblichen Vater sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben. Z. B. wenn er für ihre Sorgen und Nöte kein offenes Ohr hatte, sehr streng oder gar gewalttätig war. Außerdem haben auch manche Frauen mit der Anrede "Vater" ihre Probleme. Diese Anrede erweckt den Eindruck, dass Gott ein Mann ist. Sie schlagen vor, Gott gleichermaßen als Mutter anzureden, damit er auf kein Geschlecht festgelegt ist.
... den Allmächtigen ...
Unter 'Allmächtigen' stellt man sich jemanden vor, der über alles herrscht und dem alles möglich ist. Heute haben viele Christen mit diesem Begriff ihre Schwierigkeiten. Sie fragen z.B.:
warum lässt Gott in dieser Welt soviel Krankheiten, Leid und Naturkatastrophen zu, wenn er allmächtig ist? Er könnte dann doch alles Böse vernichten. Auf diese Frage gibt es aber keine allgemeingültige Antwort. Viele Christen ziehen es heute vor, aufgrund der Erzählungen im NT Gott als allgütigen oder liebenden zu beschreiben. In der Theologie versucht man den Begriff so zu erklären, dass Gott insofern allmächtig ist, dass er am Ende der Welt alles Böse vernichten wird und seine Liebe sich durchsetzen wird.
... den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Als das Glaubensbekenntnis verfasst wurde, haben die Christen daran geglaubt, dass die Welt in 7 Tagen erschaffen wurde, so wie es am Anfang der Bibel steht. Durch die Erkenntnisse der Naturwissenschaften können viele den biblischen Schöpfungsbericht nicht mehr wörtlich nehmen. Theorien von Urknall und Evolution brauchen aber nicht im Widerspruch zur Bibel zu stehen. Viele Christen können heute die Urknalltheorie bejahen und glauben gleichzeitig, dass Gott hinter diesem Urknall steht, d. h. er hat ihn gewollt. Das Universum, die Welt und alle Lebewesen und somit auch wir sind also nicht durch Zufall oder eine Laune der Natur entstanden. Indem Menschen sich zu Gott als dem Schöpfer bekennen, zeigen sie auch ihr Vertrauen, dass Gottes Liebe sich in allem neuen Leben in unserer Welt zeigt.
Und an Jesus Christus ...
Nach dem Glauben an Gott folgt das Bekenntnis zu Jesus Christus. Leider wird nur der Anfang und das Ende seines Lebens erwähnt. Den Verfassern war es vor allem wichtig, das Göttliche an Jesus zu betonen, wie es an seiner Geburt und seinem Tod ablesbar ist. Wir heute interessieren uns dagegen stärker für Jesu Leben zwischen Geburt und Tod. Denn er zeigte den Menschen durch sein Reden und Handeln, wie Gott ist. Er grenzte keinen aus, vergab und ermöglichte Menschen neu anzufangen, wenn sie ihre Fehler und Vergehen bereuten. Er begegnete allen mit einer Liebe, die jeden so annimmt, wie er ist. Dass Gott selbst in Jesus Christus Mensch geworden ist, sprengt die Vorstellungskraft vieler Menschen.
... seinen eingeborenen Sohn ...
... empfangen durch den Heiligen Geist ...
... geboren von der Jungfrau Maria ...
Eingeboren, d.h. soviel wie einzig Geborener. Das ist nicht biologisch zu verstehen, sondern mehr im Sinne von einzigartig. Kein anderer Mensch steht in so einer besonderen Beziehung zu Gott wie Jesus.
'Empfangen durch den heiligen Geist' bringt zum Ausdruck, dass bereits bei Jesu Zeugung Gott in geheimnisvoller Weise gewirkt hat. Diese Aussage ist ebenso wie die Aussage 'geboren von der Jungfrau Maria' nicht biologisch zu verstehen, also nicht als unnatürliche Zeugung. Jeder weiß, dass eine Frau ohne Befruchtung durch einen Mann kein Kind bekommen kann. Die Aussage von der Jungfrauengeburt ist ein Bild. Man hat dieses Bild auch in anderen Kulturen benutzt, um zum Ausdruck zu bringen, dass man es hier mit einem außergewöhnlichen, besonderen Menschen zu tun hat. Jesus war der leibliche Sohn von Josef und Maria, stand aber in einer ganz besonderen Beziehung zu Gott. Er konnte viel von Gottes Wesen erkennen, was andern Menschen verborgen blieb bzw. was sie nicht so klar erkennen konnten.
... unsern Herrn ...
Mit der Anrede "Herr" erkennt man jemanden als Autorität an. Viele Christen benutzen heute noch diese Anrede, um auszudrücken, dass Jesu Worte und Gebote Richtschnur für ihr eigenes Reden und Handeln sind. Sein Wille ist entscheidend und nicht ihre Wünsche und Handlungsweisen.
... gelitten unter Pontius Pilatus ...
Er war von 26-36 n. Chr. römischer Prokurator (Statthalter/Stellvertreter) in Judäa. Am jüdischen Passafest war es Sitte, einen Gefangenen frei zu lassen. Nach Jesu Gefangennahme konnte das jüdische Volk damals zwischen seiner Freilassung und der eines Mannes Namens Barabbas wählen. Das Volk entschied sich für Barabbas. Pontius Pilatus hat sich nach der Erzählung des Evangelisten Matthäus seine Hände vor der Volksmenge gewaschen, um zu zeigen, dass er keinen Grund sah, Jesus zu verurteilen. Er wollte sich nicht an seinem Tod schuldig machen. Da aber die Leidenszeit Jesu und seine Kreuzigung unter die Herrschaft des Prokurators fallen, heißt es 'gelitten unter Pontius Pilatus'.
... gekreuzigt, gestorben und begraben ...
Hier werden Stationen vom Leiden und Sterben Jesu in knappen Worten geschildert. So wie er mit den Menschen umgegangen ist und was er ihnen von der Liebe Gottes erzählt hat, war er vielen Juden damals ein Dorn im Auge. Sein Reden und Handeln stand auch im Widerspruch zu ihren Vorstellungen und Gesetzen. Deshalb wollten sie ihn loswerden. Als einer seiner Jünger, Judas, den religiösen Führern der Juden sagte, wo sie Jesus finden konnten, wurde er gefangen genommen, gefoltert und gekreuzigt. Die Kreuzigung war damals eine Hinrichtungsart der Römer für Verbrecher. Jesus ist am Kreuz gestorben. Indem das Bekenntnis ausdrücklich den Tod Jesu erwähnt, macht es deutlich, wie sehr Jesus mit allen Menschen verbunden ist. Er teilt ihr Schicksal, indem er genau wie sie sterben muss.
... hinabgestiegen in das Reich des Todes ...
Früher stellte man sich vor, dass über der Erde der Himmel ist und unter der Erde das Totenreich, die Hölle. Die Welt war gleichsam in drei Stockwerke eingeteilt. Unter der Erde, im Reich des Todes waren die Verstorbenen. Bei dieser Vorstellung wird nicht klar gesagt, ob nur die Menschen, die in ihrem Leben als böse bzw. eigensüchtig galten, dort weiterlebten oder ob alle Menschen eine bestimmte Zeit nach ihrem Tod dort zubringen mussten. Vielen Christen können heute durch unser verändertes Weltbild (die Erde: ein kugelförmiger Planet) mit dieser Vorstellung nichts mehr anfangen. Diese Worte des Bekenntnisses sind heute so zu verstehen, dass Christen darauf vertrauen, dass es im ganzen Universum keinen Ort gibt, der mit Gott nichts zu tun hat, gottlos ist.
... am dritten Tage auferstanden von den Toten ...
Es gäbe kein Christentum, wenn nicht eine Reihe von Menschen kurze Zeit nach Jesu Tod übereinstimmend folgendes erlebt hätten: Sie haben den gekreuzigten Jesus gesehen, gehört, berührt. Dabei erzählen sie, dass sein Aussehen verändert war. So begegnet er z.B. Maria und sie denkt im ersten Moment, er sei der Gärtner. Damit wird deutlich gemacht, dass das Leben nach dem Tod keine unmittelbare Fortsetzung des irdischen Lebens ist. Die Aussage von der Auferstehung drückt aus: Sein Grab war leer, Gott hat ihn auferweckt und somit ist Gott mächtiger als der Tod. Er wird auch uns ein Leben nach dem Tod schenken. Heute gibt es nicht nur Diskussionen darüber, ob Jesus auferweckt wurde, sondern auch um das "Wie". Die einen glauben an ein Weiterleben der Seele, die sich nach dem Tod vom Körper trennt. Andere glauben, dass Mensch ganz tot ist und Gott ihm ein neues Leben und somit auch einen neuen Leib gibt. Beweise für ein Leben nach dem Tod hat niemand. Dennoch hoffen Christen darauf, dass der Tod keinen Menschen von der Liebe Gottes trennt und sie in einer für uns nicht vorstellbaren Weise nach dem Tod bei ihm sind.
... er sitzt zur Rechten Gottes ...
Hinter dieser Aussage steht die alte Vorstellung, dass Gott im Himmel thront und über die Welt regiert. Jesus sitzt auf dem rechten Platz neben Gott, der ein Ehrenplatz ist. Jesus regiert nun mit. Hier geht es zum einen darum, zu betonen, dass Jesus in besonderer Weise zu Gott gehört und zum anderen, dass Gottes Liebe, von der Jesus erzählt und nach der gehandelt hat, Menschen auch in Zukunft in dieser Welt Halt und Orientierung geben soll.
... von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Hinter dieser Aussage steht die Vorstellung, dass Gott am Ende der Welt, am sog. 'Jüngsten Tag' auf die Erde kommt und alle Menschen richten wird. Die Menschen werden dann, je nachdem, wie sie gelebt haben, in Gute und Böse sortiert. Für manche Menschen ist diese Vorstellung tröstlich, denn sie finden es ungerecht, dass es Menschen geben soll, denen es gut geht und die von allem verschont bleiben, obwohl sie auf Kosten anderer lebten. Im Gericht werden sie endlich ihre gerechte Strafe erhalten. Andere wiederum versetzt die Vorstellung eines richtenden Gottes in Angst und Schrecken und gerade im Mittelalter hat die Kirche viele damit unter Druck gesetzt. Natürlich vertrauen Christen darauf, dass Gott einmal richten wird auch wenn man sich das nicht wie eine Gerichtsverhandlung vorstellen kann. Eigentlich kann man über das "Wie" gar keine Aussagen machen. Nur über die Maßstäbe dieses Gerichts: Es sind die von Jesus. Es geht darum, ein gerechtes und gleichzeitig liebevolles Urteil zu fällen über das Leben eines Menschen. Als Beispiel für Jesu Richten gilt die Erzählung von verlorenen Sohn: Der Sohn hat Geld und Gut verspielt, sich seine Zukunft verbaut und kehrt, als er gar nicht mehr weiter weiß, nach Hause zurück. Der Vater schmeißt ihn nicht raus, sondern empfängt ihn mit offenen Armen. Die Aufarbeitung der Fehler mag später geschehen, Versöhnung ist wichtiger. Die Liebe behält das letzte Wort.
Ich glaube an den Heiligen Geist ...
Hier geht es um den Geist Gottes, der unsichtbar ist, aber an seinen Auswirkungen erfahren werden kann. Nach einer biblischen Erzählung in der Apostelgeschichte hat dieser Geist an Pfingsten in Jerusalem eine Gruppe Männer erfasst. Sie konnten zu allen Ausländern, die gerade in der Stadt waren, in deren Sprache von Gott reden. Durch die Erzählung wird deutlich, dass der Heilige Geist Grenzen, die Menschen trennen, außer Kraft setzen kann. Seitdem wirkt dieser Geist in unserer Welt überall dort, wo Menschen aufeinander zugehen, Verantwortung füreinander tragen, sich liebevoll begegnen und sich den Dingen wie Hass und Gewalt in den Weg stellen, die andere und unsere Welt zerstören.
... die heilige christliche Kirche ...
Hier geht es nicht um eine bestimmte Kirche oder Konfession. Alle Christen in allen Konfessionen und Gemeinden gehören zu der großen Gemeinde Gottes. Es ist also eine Gemeinschaft, die eines Geistes ist und alle Länder und sonstigen Grenzen überschreitet. Leider existiert diese Gemeinschaft nur unvollkommen, da wir uns in dieser Welt noch selbst zu viele Schranken und Unterschiede auferlegen.
... Gemeinschaft der Heiligen ...
Sowie ich alleine nicht Fußball spielen kann ,so können auf Dauer Christen ihren Glauben nicht alleine leben. Sie brauchen andere Christen, mit denen sie über ihre Erfahrungen mit Gott reden oder über ihre Zweifel sprechen können. "Heilige" heißen sie nicht, weil sie besonders gut oder ehrbar sind, sondern weil sie zu Gott gehören. Er sieht sie als seine Kinder an, die immer zu ihm kommen können, egal, was sie angestellt haben. Von unserem Verhalten hängt seine Liebe zu uns Menschen nicht ab. Das ist natürlich kein Freibrief, sich zu benehmen, als wenn man alleine auf der Welt wäre, aber ein tröstlicher Gedanke, dass Gott seine Tür immer für uns offen hält.
... Vergebung der Sünden ...
Gut, dass das gleich danach folgt: unsere Schwäche, Versagen, Bosheit, Schuld sollen uns nicht lähmen und für immer bedrücken. Da ,wo Menschen zu ihrer Schuld stehen, ist es möglich, neu anzufangen.
... Auferstehung der Toten und das ewige Leben ...
Am Ende der Zeit wird Gott eine neue Welt erschaffen, in der Lebende und Tote eine endgültige Heimat in seiner Nähe finden. Nichts und kein Mensch geht verloren. Das "ewige Leben" unterliegt nicht der Gesetzmäßigkeit des Todes. Die christliche Hoffnung auf ein solches Leben sprengt alle Vorstellungskraft irdischen Denkens.





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